51. Spielzeit | 2017/2018
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Vorwort des Theaterleiters Christian Kreppel 2008/2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Publikum!

Zum nunmehr dritten Male habe ich das Vergnügen Ihnen ein Spielplanbuch vorzulegen, welches das Ergebnis von gut zwei Jahren Vorarbeit ist, und zum ersten Mal in einer Auflage von 10.000 Stück gedruckt wird. Bei den Überlegungen hierzu habe ich oft an Bertolt Brechts Worte gedacht: “Das Theater darf nicht danach beurteilt werden, ob es die Gewohnheiten seines Publikums befriedigt, sondern danach, ob es sie zu ändern vermag”. Heute muss Theater mehr denn je seinem Bildungsauftrag nachkommen. Theater ist eine der letzten Institutionen, die es auf mannigfaltige Weise vermag, Bildung und insbesondere Werte zu vermitteln. Alltägliche Werte des menschlichen Lebens ebenso wie intellektuelle, hoch komplexe Inhalte. Der Publikumszuspruch der letzten beiden Jahre hat mich zuversichtlich gemacht, dass mein Spielplan, den ich bewusst so hochkarätig und so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten versuche, sehr gut angenommen wird. Der starke Aufwärtstrend bei den Abonnentenzahlen und auch im Freiverkauf ist mir großer Ansporn, ja Verpflichtung, das Publikum auch in der Zukunft durch die “Faszination Theater und Konzerte" in unserem wunderschönen Haus zu unterhalten und (!) zu fordern.

Mit über vierzig Vorstellungen ist das Sprechtheater in der Saison 2008/2009 stark aufgestellt. Es erwarten Sie Inszenierungen renommierter Bühnen: Aus München das Bayerische Staatsschauspiel und die Kammerspiele, das Staatsschauspiel Dresden, das Hans-Otto-Theater Potsdam, aus Berlin das Theater am Kurfürstendamm sowie das Renaissance-Theater, die Hamburger Kammerspiele, das Mülheimer Theater an der Ruhr und nach sechzehn Jahren endlich wieder einmal das Berliner Ensemble. Hinzu kommen routinierte Tourneebühnen wie das Euro-Studio Landgraf und die Theatergastspiele Kempf.

Viele große Namen kann ich Ihnen ankündigen: Sandra Fehmer, Nicole Heesters, Jacqueline Macauley, Dagmar Manzel, Barbara Nüsse, dann David Bennent, Nils Holger-Bock, Norbert Kentrup, László I. Kish, Martin Lüttge, Dieter Mann, Adnan Maral, Götz Schubert, Wolfgang Seidenberg und Peter Striebeck. Walter Plathe wird Tucholsky präsentieren und Dieter Hildebrandt ein vorweihnachtliches Feuerwerk an Satire. In Komödien erwarten Sie Anita Kupsch, Manon Straché, Volker Brandt, Hans-Jürgen Schatz, Wolfgang Spier sowie Achim Wolff.

Ich habe einen Schwerpunkt bewusst auf deutsche Dramatik gelegt, denn was liegt uns näher. Ich freue mich auf Schillers “Kabale und Liebe" und Kleists “Der zerbrochene Krug". Das Leben der “Brüder Grimm" gibt es ebenso zu erfahren wie das Schicksal der “Nibelungen" (Hebbel). Dann Büchners “Dantons Tod" und Thomas Manns “Buddenbrooks". Fassbinders “Die Ehe der Maria Braun" beendet den zeitlichen Bogen, der fast 200 Jahre vorher mit Schiller begonnen hat.

Als Gegenpol fünf französische Schauspiele: Um den “Menschenfeind" geht es nicht nur in Molières Stück in der Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger sondern auch im “Krawattenclub" (Fabrice Roger-Lacan) und letzten Endes auch in Yasmina Rezas bösem Zeitstück “Der Gott des Gemetzels". In französischer Sprache stehen die packende Auseinandersetzung mit der Zeit der Resistance nach dem Film von Louis Malle “Au revoir les enfants" und “Juan Darien - L'enfant tigre", eine Erzählung der “Fantastischen Literatur Lateinamerikas", auf dem Spielplan. Abgerundet wird das Angebot durch zwei englische Theaterstücke: Brandaktuell ist David Hares “Zeitfenster". Hier geht es um die Frage: Wie kann man leben angesichts der heutigen Schrecken in dieser Welt. Großes Schauspielertheater ist “Vita und Virginia" von Eileen Atkins. Der wunderbare Roman “Moon Palace" des Amerikaners Paul Auster steht in englischer Originalsprache in einer Dramatisierung auf dem Programm.

Das Musiktheater-Angebot ist breit gefächert. Opernfreunde werden nicht zu kurz kommen. Es gibt zwei Schweinfurter Erstaufführungen: Die erste Oper der Musikgeschichte ist Claudio Monteverdis “L'Orfeo". Das junge ausgezeichnete Originalklangensemble aus München “così facciamo" präsentiert diesen Stoff auch im Cuvilliéstheater. Premiere aber wird in Schweinfurt sein. Dann auch zum ersten Mal Giuseppe Verdis “Simone Boccanegra" in einer Produktion der Opern- & Philharmonischen Gesellschaft Plovdiv (Bulgarien). Das Theater Meiningen ist mit einer hoch gelobten “Bohème" zu Gast. Der Erfolg der Verdi-Puccini-Gala im Oktober 2007 war ein Grund dafür, die Compagnia d'Opera Italiana di Milano mit “Tosca" zu engagieren. “Oper für die Zuschauer von Morgen" bieten die Taschen-Oper Companie Frankfurt a. M. mit “Fidelio" (Ludwig van Beethoven) und das Opernfestival Gut Immling mit “Aschenputtel" (Gioacchino Rossini). Gegen Ende der Spielzeit steht “Krabat oder die Erschaffung der Welt" (Sorbisches Nationalensemble Bautzen). Eine faszinierende Mischung aus Oper, Ballett, Tanz - ein spannendes Gesamtkunstwerk. Eine ganz besondere Empfehlung ist das Galakonzert der Staatsoper Kiew, die russische Opernchöre auf dem Programm hat. - Musicalfieber sollen “Evita", “Touch of Heaven", “Power of Africa", “Johnny Cash" und “Tintenblut" verbreiten, Operettenseligkeit “Der Zarewitsch", “Gräfin Mariza" und die Galas zu Ehren von Johann Strauß “Walzerträume" und von Franz Lehár “Da geh' ich zu Maxim".

Wie sehr mir der Tanz am Herzen liegt, hat sich sicher herumgesprochen. Ich bin glücklich vier Ensembles präsentieren zu können, die ihr Schweinfurt Debüt feiern werden. Aus Stockholm das Cullberg Ballett, aus Australien C!RCA, aus Brasilien Balé da Cidade São Paulo und aus England die Rambert Dance Company. Ein Wiedersehen gibt es mit “Aterballetto" (Italien). Aber auch an die Freunde des klassischen Handlungsballetts habe ich gedacht: Aus Kasan erwarten wir “Der Nussknacker" und aus Kiew “Dornrös-chen", beides Produktionen mit großer Ausstattung und Orchester.

Auch 2008/2009 werden die Konzerte mit den “Bamberger Symphonikern" die hochgeschätzte Basis der Planungen sein. Seit März 2008 hat der Klangkörper mit Wolfgang Fink einen neuen Intendanten, der kurz nach seiner Ernennung bereits unser Haus besucht hat. Dreimal wird der Chefdirigent Jonathan Nott dirigieren, desweiteren Robin Ticciati, Thomas Dausgaard, Andris Nelsons und Lothar Zagrosek. Als Solisten erwarten wir Lisa Batiashvili (Violine) gemeinsam mit ihrem Mann, dem Oboisten François Leleux. Bei diesem Konzert wird es eine deutsche Erstaufführung von Giya Kancheli geben. Dann Vadim Repin (Violine), Nikolai Tokarev (Klavier), Pierre-Laurent Aimard (Klavier), Håkan Hardenberger (Trompete) und Mark Kosower (Violoncello). Es wird auch ein Wiedersehen mit dem Bundesjugendorchester, dem Orchester der Staatsoper Kiew, den Salzburg Chamber Soloists und dem genialen Grigory Sokolov (Klavier) zu feiern sein. Zum ersten Mal eingeladen wurden das Venice Baroque Orchestra unter der Leitung von Giuliano Carmignola (Violine), das Los Angeles Guitar Quartet, das Wiener Klaviertrio mit der Sopranistin Ruth Ziesak und schließlich Christian Gerhaher (Bariton), der mit Mojca Erdmann (Sopran) konzertieren wird. Der große Zuspruch bei den “Besonderen Konzerten im Theaterfoyer" hat uns auf die Idee gebracht, diese fünf Kammerkonzerte auch in Form eines eigenen Abos anzubieten: die “Foyer-Konzertmiete". Es besteht natürlich auch weiterhin die Möglichkeit wie bisher, zur Konzertmiete I die fünf zusätzlichen Foyerkonzerte zu buchen.

Das Theaterangebot für Kinder und Jugendliche umfasst insgesamt mehr als dreißig Vorstellungen. Die 22. Schweinfurter Puppenspieltage stehen vor der Tür, eine Besonderheit, die Sie nicht an sich vorüberziehen lassen sollten. Das Fränkische Theater Schloss Maßbach wird diesmal als “Weihnachtsstück" “Die Schneekönigin" spielen und für die Jugend “Crash" von Sera Moore Williams. Neben den schon erwähnten “Fidelio", “Aschenputtel" und “Tintenblut" gibt es noch “Das Dschungelbuch".

Am Schluss muss der Dank an diejenigen stehen, die das Theater in welcher Form auch immer unterstützen und fördern. Es nicht selbstverständlich, wie die Verantwortlichen der Stadt und der Stadtrat hinter diesem Haus stehen und das seit fast 42 Jahren. Dank auch den neunzehn Sponsoren, die dieses Spiel- planbuch unterstützt haben und hiermit Ihre Verbundenheit mit dem Haus ganz offen dokumentieren wollen. Ein Dankeschön dem treuen und kritischen Publikum, denn ohne Sie könnten wir nicht existieren. Und am Ende - wie gewohnt an dieser Stelle - Lob und Dank dem Team des Theaters für eine sehr fruchtbare und reibungslose Zusammenarbeit. Wir alle freuen uns mit Ihnen auf eine spannende Spielzeit 2008/2009!

Mit sehr herzlichen Grüßen!

Christian Kreppel
Theaterleiter