51. Spielzeit | 2017/2018
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50 Jahre Theater der Stadt Schweinfurt

Christian Kreppel in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Theaters 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde des Theaters der Stadt Schweinfurt,

nachdem ich im Dezember 2006 bereits das 40-jährige Jubiläum unseres wunderschönen Theaters am Châteaudun-Park ausrichten konnte, habe ich nun die große Ehre und das tief empfundene Vergnügen eine umfangreiche Festschrift zum 50. Geburtstag des Hauses vorlegen zu können, die von einer Ausstellung während der gesamten Jubiläumssaison im oberen Foyer begleitet wird.

Einen Dank gleich zu Beginn dem Redaktionsteam Daniela Kühnel, Christoph Thein und Dorothea Constanze Vöhringer. Wir haben den ambitiösen Versuch unternommen, einem halben Jahrhundert intensiver Theaterarbeit nachzuspüren. Zeitaufwendige Recherchen in den Archiven der Stadt und im Theater gehörten ebenso zu den Vorarbeiten wie viele Gespräche mit Zeitzeugen. Letzten Endes standen wir vor einer so großen Fülle von Informationen, dass wir uns entschlossen haben, den ursprünglich geplanten Umfang erheblich zu vergrößern. Möglich gemacht haben das eine großzügige Spende der Schweinfurter Gesellschaft Harmonie ebenso wie 31 Anzeigenpartner, darunter zu meiner großen Freude auch Firmen, die beim Bau des Theaters beteiligt waren und so ihre Verbundenheit mit diesem florierenden Kulturbetrieb dokumentieren wollen. Allen Genannten ein herzliches Dankeschön.

Ich freue mich besonders über die persönlichen Worte von Dr. Erich Schneider, dem ehemaligen Leiter des Kulturamtes und der Städtischen Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt, der seit Januar 2016 als Gründungsdirektor des neuen Fränkischen Landesmuseums auf der Festung Marienberg in Würzburg tätig ist. Ebenso über den Beitrag zum Konzertleben von Bernd Geiger der seit 1969 Mitglied des Konzertbeirats ist und seit 1990 Verfasser der Programmtexte der Konzertprogramme. Danke auch Dr. Uwe Müller, dem Leiter des Stadtarchives, für ein wissendes wie kritisches Auge auf unsere historischen Anmerkungen.

Heute ist es üblich Erfolg in Zahlen zu gießen. Im Theater sind das die Besucher, die Auslastung und der Kostendeckungsgrad. In diese Richtung wollten wir uns nicht begeben, denn wir wissen, unser zeitlos schönes Theater, dieses nicht nur architektonische Juwel, hat in all den vielen Jahren immer sein Publikum gefunden. Der Stand der Abonennten ist seit Jahren konstant und sehr hoch. Viele Abonnenten begleiten uns jahrzehntelang. Wie schon in den 1960er Jahren und in den folgenden Jahren sind sehr viele Vorstellungen mehr als gut gebucht oder ausverkauft. Dadurch werden hohe Einnahmen generiert, die natürlich auch eine pulsierende Industriestadt benötigt. Das Theater der Stadt Schweinfurt ist ein bestens etablierter kultureller Magnet für die Stadt, die Region und auch weit darüber hinaus. Denn die Menschen sind heute mobiler als sie es vor 30, 40 oder 50 Jahren waren.

Wo liegt das Geheimnis des Erfolges über drei Intendanzen hinweg? Die Entscheidung für das konsequente Konzept eines Gastspielbetriebes fiel sehr früh und wurde nie angezweifelt. Entgegen oft auch heute noch geäußerter Vorurteile ist es hier kontinuierlich gelungen, in einem breit gefächerten Spielplan, der alle Genres umfasst, Theaterarbeit wie in einem vergleichbaren produzierenden Ensembletheater anzubieten; und das in einer größeren Vielfalt mit einem wesentlich geringeren Personalaufwand.

Regelmäßig erlebt man in Ensemblehäusern beim Intendantenwechsel den rigorosen Austausch des künstlerischen Personals, um dann ein neues, anderes Profil anzubieten. Solch radikale Richtungswechsel hat es in Schweinfurt nie gegeben. Die Konzepte und Planungen von Dr. Günther Fuhrmann, Rüdiger R. Nenzel und mir sind sich letzten Endes trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, neuen Akzenten und Innovationen ähnlich. Die Intendanzen sind ohne große inhaltliche oder dramaturgische Brüche ineinander übergegangen, haben jeweils weitergeführt, auch geändert, entwickelt und ausgebaut. Ich erlaube mir zu konstatieren, dass uns drei Theatermachern in all den Jahren das Streben nach einer fordernden Qualität und Vielfalt ebenso wichtig war wie das Erreichen möglichst aller Publikumsschichten in diesem Gemeinwesen, das letzten Endes durch die zehntausenden Arbeiter in den Werken der Großindustrie geprägt ist.

So durchzieht unser Theater ein ganz besonderer Geist, der von einer starken Kontinuität und gleichzeitig immer auch innovativen Ansätzen geprägt wird. Wir arbeiten mit Partnern über Jahrzehnte hinweg immer aufs Neue zusammen. Dadurch entsteht ein ganz besonderes kreatives Klima, das natürlich auch dem Publikum zugute kommt. Ein Wiedersehen mit künstlerischen Freunden und Weggefährten gibt es bei uns auf der Bühne regelmäßig. Auf unser Publikum, das an den Spielplänen gewachsen ist, können wir stolz sein, denn es ist erfahren, kritisch und streitbar aber auch sehr begeisterungsfähig. Ganz besonders glücklich bin ich über die bis zu 15000 Kinder und Jugendliche Jahr für Jahr, die unsere Angebote annehmen.

Wenn man die Ausführungen meiner beiden Vorgänger aus den Jahren 1966 bzw. 1991 liest, besticht eine große Aktualität und Zeitlosigkeit ihrer Aussagen. Gut gemachtes kritisches Theater im Mittel- und Brennpunkt des Gemeinwesens ist unverzichtbare Grundlage und Ausgangspunkt unserer Gesellschaft. Das war vor 50 Jahren so, das ist heute so und wird immer so bleiben. Dieses Theater erreicht fast alle Schichten und Generationen.

Auch Dank der konsequenten Unterstützung der Stadt und des Stadrats über alle Fraktionen hinweg wurde hier eine gesunde Basis gelegt und sinnvoll ausgebaut. So konnte im Theater der Stadt Schweinfurt ein Stück Theatergeschichte geschrieben werden. Die Oberbürgermeister Wichtermann, Petzold, Grieser und Remelé haben immer über ihr Theater gewacht und es auch regelmäßig besucht. Das ist nicht selbstverständlich und prägt natürlich ein positives Klima, in dem man sehr gerne den täglichen »Theaterirrsinn« kreativ auslebt.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser Festschrift, die uns allen ein Herzensanliegen ist. Sie enthält viele Informationen, Erinnerungen, Reminiszenzen und Fotomaterial, das die 50 Jahre lebendig machen soll. Dieses Buch ist ein ideales Geschenk für alle Theaterfreunde, aber auch diejenigen, die es noch werden wollen.

Mit den besten Grüßen verbleibe ich als
Ihr Christian Kreppel